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Madeira: Lernt die Insel des ewigen Frühlings kennen

Das Flugzeug geht in die Tiefe, die Anschnallzeichen leuchten auf, da ist sie: Madeira. Hunderte Kilometer vor dem afrikanischen Festland ragen die vulkanischen Klippen unvermittelt aus dem Atlantik. Subtropisch – und deswegen so grün – zeichnet Madeira sich durch ihre Mikro-Klimata aus. Heiße Strände neben Berggipfeln, Regenwald schließt an Städte an und ihr könnt mehrere Jahreszeiten an einem Tag erleben. Die Frühlingsinsel trägt ihren Namen nicht umsonst – das ganze Jahr über könnt ihr bei konstanten Temperaturen zwischen 20 und 25 Grad Celsius das leichte Leben genießen.

Optimal als Roadtrip-Ziel geeignet, ist der folgende Guide mit Blick auf die Straße verfasst. Obwohl recht hügelig, ist Madeira gut befahrbar – und die folgenden Städte, Küsten und Orte liegen alle auf eurem Weg. Verliebt euch in die Blumeninsel.

Funchal

Mit einer der kürzesten Landebahnen der Welt ist der Anflug auf Madeira besonders. Genau wie der kleine Flughafen, der dem berühmten Sohn der Insel, Cristiano Ronaldo gewidmet ist und von allen Seiten vom Grün gerahmt ist. Kaum steigt ihr aus dem Flieger, grüßt Madeira euch mit konstanten 20-25 Grad Celsius, auch im Dezember. Ewiger Frühling.

Strelitzie im Botanischen Garten. Bild: Getty
Hortensien bei Funchal. Bild: Unsplash/Josefin

Die Hauptstadt Funchal liegt in einer Bucht an der Südküste, ihr Name weist auf den wilden Fenchel hin, der früher überall wucherte. Jetzt macht er anderen Gewächsen und Blumen Platz: Aloe, der die Hügel rot besprenkelt, Strelitzien, die an Paradiesvögel erinnern. Diese und weitere Pflanzen gedeihen im Botanischen Garten, den ihr per Seilbahn vom Meeresufer erreicht. Im zugehörigen Stadtteil Monte seid ihr 700 Meter über dem Meeresspiegel, was sich im kühleren Klima bemerkbar macht.

Zurück in Funchal vertretet ihr euch am Hafen die Beine. Kauft in einem der vielen Stände einen Bolo de Caco mit Käse oder Speck und freut euch abends über die Girlanden, die zum Jahresende die Hügel aufleuchten lassen. Tipp: Funchal ist perfekt zur Weihnachtszeit und zum Neujahr.

Früchte auf einem Markt in Funchal. Bild: Getty

Im Stadtzentrum, gemächlich gruppiert um das markante Jesuitenkolleg und durchzogen von schmalen, weiß gepflasterten Gässchen warten Restaurants, die in der lauen Luft Espetadas (Fleischspieße mit Lorbeer) und Madeira-Wein servieren. Definitiv probieren!

Kathedrale von Sé in Funchal. Bild: iStock

Porto Moniz

Eine kurze Autofahrt später, mitten durch die Insel, kommt ihr im verschlafenen Porto Moniz im Nordwesten an. Ein morgendlicher Blick aus dem Fenster auf die wilde Küste vor Porto Moniz, verschleiert vom Nebel und Wasserdampf, zeigt wie eindrucksvoll der Tag beginnen kann.

Das Aushängeschild von Porto Moniz sind seine natürlichen Meeresschwimmbecken. Die beiden von Lavagestein umrahmten Anlagen werden vom Meer gespeist. Das größere der beiden Becken – Cachalote Natural Swimming Pools – ist schroff-kantiger, natürlicher Schwimmspaß. Sein kleinerer Bruder einige hundert Meter weiter ist gepflegter und dank Stufen leichter zugänglich.

Meeresschwimmbecken von Porto Moniz. Bild: Anton Dechand
Lavapools von Cachalote Swimming Pools. Bild: Unsplash/Colin Watts

Wenn das nicht genug ist: auf dem Weg aus Moniz Richtung Osten landet ihr nach ein paar Kilometern bei Seixal. Parkt an der Küste und steigt einige Stufen hinab zum Wasser zu den natürlichen Lava-Pools. Ungestörter kann man im Wasser kaum ruhen – und das gratis.

São Vicente & Santana

Der nächste Schritt Richtung Osten führt uns zur Kleinstadt São Vicente und ins Innere der Vulkaninsel. Die Grotten von São Vicente wurden vor 890.000 Jahren durch einen Vulkanausbruch gebildet; eine Führung durch das feuchte und kühle Höhlensystem, das teilweise geflutet ist, ist zwar kurz, jedoch beeindruckend. Im zweiten Teil der Ausstellung reist ihr im Besucherzentrum mit Video und Exponaten zur glühenden Geburtsstunde des Planeten.

Santana. Bild: Anton Dechand

Nach soviel Input könnte euch der Kopf glühen. Macht einen Spaziergang durch das beschauliche Städtchen mit Blick auf den markanten Hügel und lasst euch abends auf der Hauptstraße in einem der Restaurants nieder. Barbeque gibt es überall, wir empfehlen dagegen Peixe espada com banana – schwarzer Degenfisch, der brachial aussieht, aber unerwartet zart ist und mit der Banane eine Symbiose eingeht.

Werft ein-zwei Blicke auf das Meer und den schwarzen Strand – und weiter. In Santana, das auf eurem Weg gen Osten liegt könnt ihr zum Lunch-Break die traditionellen strohgedeckten Bauernhäuser ablichten. Ansonsten ist die Fahrt nach Caniçal sehr pittoresk und windet sich entlang der Gebirgsstraßen.

Ponta de São Lourenço

Ponta de São Lourenço. Bild: Getty

Hier macht Madeira Irland Konkurrenz. Ponta de São Lourenço, die östlichste Spitze Madeiras und erstreckt sich von Caniçal 9 km weit in den Atlantik und ist in echt noch viel beeindruckender, als auf den Bildern. Es lohnt sich einen Umweg einzulegen. Biegt auf dem Hinweg in Machico ein, um einen der seltenen Sandstrände der Insel mitzunehmen, und nehmt die Landstraße ostwärts aus Caniçal, scheinbar ins Nichts.

Ponta de São Lourenço, Nordseite. Bild: Anton Dechand

Nein, die letzte Bastion vor dem Nichts ist das Hotel Quinta do Lorde, ein 5-Sterne-Haus mit eigener Marina, wo Trips entlang der Küste organisiert werden. Quartiert euch für eine Nacht ein im markanten Haus, vergesst das Segeln und macht euch am nächsten Morgen zu Fuß über die Landzunge. Der Wanderweg führt, teils befestigt, teils mitten durchs rote Gestein durch die wilde Seite der Insel. Nördlich der kalte und schäumende Atlantik, im Süden ruhige Gewässer und in der Ferne das Trio: Ilhas Desertas. 

Nach einem leichten Wanderweg kommt ein mittelschwerer Anstieg zur Plattform. Hier ist der Weg zu Ende. Die beiden Inseln, die sich anschließen, sind nur noch sichtbar, nicht zugänglich. Das Wetter hier draußen kann rau sein und unvermittelt umschlagen: doch kümmert es uns, wenn wir so bequem ans Ende der Welt gelangen?

Laurisilva und Levadas

Blick vom R10 Levada-Wanderweg: Ribeiro Frio – Portela. Bild: Anton Dechand

Von Funchal nach Porto Moniz und schließlich nach Ponta de São Lourenço – das ist der kleine Roadtrip, den wir euch nahelegen. Dagegen sind die Levadas von allen Seiten der Insel erreichbar. Diese Bewässerungskanäle wurden geschaffen, um große Mengen Wasser aus dem regenreichen Norden Madeiras in den Süden zu leiten. Heute sind die Wasserkanäle bequeme Strecken, die sich durch den Laurisilva, den Lorbeerwald Madeiras winden. Welche davon ihr wählt hängt davon ab, wo ihr euch befindet oder was leicht zugänglich ist. Eine der hübschesten Strecken beginnt in Ribeiro Frio und verläuft, vorbei an Wasserfällen und kleinen Bächen nach Portela. Dort öffnet sich der Blick auf den Felsen von Penha d’Águia. Passt nur auf eure Zeitplanung auf – die Busse zurück nach Funchal fahren unregelmäßig.

Zwischen Pico do Arieiro und Pico do Ruivo. Bild: Unsplash/Colin Watts

Der Atlantik

Wie können wir den Ozean vergessen? Madeiras Insellage mitten im Atlantik umgibt die Insel nicht nur mit schönsten Panoramen. Es liegt auch nahe, Wassersportarten wie Bodyboarding oder Wakeboarding zu probieren. Oder abzutauchen. Dank einer Meerestiefe von mehr als 3.000 Metern beheimaten die Küstengewässer vor Madeira zahlreiche Fischarten, Schildkröten und 28 verschiedene Wal- und Delfinarten. Ihr braucht nicht nass zu werden, um euer blaues Wunder zu erleben. Brecht einfach von Funchal zu einer Beobachtungstour auf und seht Streifendelfine oder Pilotwale – manchmal auch einen seltenen Pottwal – vor der Küste.

Walbeobachtungstour. Bild: Anton Dechand
Blick auf den Atlantik an der Nordküste. Bild: Anton Dechand