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Ist die rechte Rheinseite Kölns wirklich öde?

Falsch, anders, total langweilig – der rechten Rheinseite Kölns eilt ein zweifelhafter Ruf voraus. Im Gegensatz zur linken Rheinseite mit Dom, Altstadt und Schokoladenmuseum gilt die sogenannte “Schäl Sick” als öde. Ein Ort, an den sich kein Tourist auch nur verirren sollte.

Doch trifft diese Beschreibung tatsächlich zu? Wohl kaum! In den vergangenen Jahren haben sich rechts vom Rhein gelagerte Stadtteile wie Deutz oder Mühlheim zu beliebten Wohngebieten entwickelt. Und auch für Besucher der Rheinmetropole entpuppt sich ein Abstecher auf die oft verschmähte Seite als alles andere als Zeitverschwendung. Wir zeigen euch 5 sehenswerte Plätze abseits der Kölner Hotspots.

Neue Rheinpromenade auf der rechten Rheinseite. Bild: Getty Images.

Rheinufer

Nicht nur die Kölner lieben ihren Rhein. Selbstverständlich zählt das Flussufer auch für Touristen aus aller Welt zu den Highlights der Stadt – ungeachtet dessen, ob ihr euch auf der linken oder rechten Seite befindet. Doch die rechte Rheinseite hat einen entscheidenden Vorteil: Von hier aus habt ihr den Dom immer fest im Blick. Daher eignet sich das rechte Rheinufer hervorragend für eine Fahrradtour, bei der ihr nicht nur das Wahrzeichen Kölns stets vor Augen habt, sondern auch dem städtischen Trubel spielend leicht entfliehen könnt.

Schwingt euch in Höhe der Zoobrücke auf euer Rad und fahrt Richtung Süden den Rheinboulevard entlang. Nachdem ihr das Getümmel des Rheinparks hinter euch gelassen und die Unterquerung der Rodenkirchener Rheinbrücke passiert habt, werdet ihr mehr und mehr von unberührter Natur umhüllt. Die Stadtgeräusche weichen dem beruhigenden Rauschen des Rheins und dem fröhlichen Gezwitscher der Vögel. Wie kann man inmitten dieser City-Idylle noch von “falscher Seite” sprechen?

Die Groov im Kölner Stadtteil Zündorf. Bild: GettyImages.

Groov

Sollte euch eure Fahrradtour bis nach Zündorf führen, seid ihr direkt am nächsten Highlight der rechten Rheinseite angelangt. Die rund 15 Kilometer von der Innenstadt entfernte Freizeitinsel Groov weiß mit feinen Sandstränden, dichten Bäumen und einem pittoresken Yachthafen zu begeistern.

Der Name Groov stammt dabei von dem gallischen Wort “grave“ und bedeutet in etwa “Kiesbank” oder “Sandbank”. Ursprünglich war die Groov eine Insel im Fluss, die jedoch 1849 mit dem Ufer verbunden wurde. Heute lockt sie vor allem in den Sommermonaten zahlreiche Kölner zum Sonnen, Tretbootfahren oder Schwäne füttern. Ein absoluter Besuchermagnet ist dabei die Fähre, die von den Fährleuten liebevoll “Krokodil” genannt wird. Sie fährt täglich zwischen dem Leinpfad und der Groov hin und her und begeistert Touristen sowie Kölner gleichermaßen, obwohl die Überfahrt nur ein paar Minuten dauert.

Auch dem historischen Zündorfer Ortskern sollte ihr einen Besuch abstatten. Hier zaubern liebevoll gestaltete Fachwerkhäuser, enge Gässchen sowie zahlreiche Restaurants und Cafés eine einzigartige Wohlfühlatmosphäre. Dabei empfiehlt es sich bis in die Abendstunden auf der Groov zu bleiben, denn dann spiegelt sich die untergehende Sonne im Rhein und sorgt für echte Großstadtromantik.

Blumenwiese im Schlosspark Stammheim. Bild: GettyImages.

Schlosspark Stammheim

Die Kölner lieben ihre Parkanlagen, die bei warmen Temperaturen zum geselligen Beisammensein unter freiem Himmel einladen. Der Nachteil liegt dabei auf der Hand: Die öffentlichen Grünanlagen sind meist überlaufen und alles andere als idyllisch.

Sollte euch also der Sinn nach einem erholsamen Parkspaziergang stehen, macht ihr euch am besten auf den Weg in den Schlosspark Stammheim, der früher Teil eines mittelalterlichen Rittergutes war. Die rund zwölf Hektar große und – besonders wichtig – ruhige Anlage ist zwischen dem Rheinufer und dem alten Gemäuer gelegen und ist daher weitaus mehr als nur ein friedvoller Rückzugsort. Hier wird Natur mit Kunst kombiniert. Neben einem jahrhundertealten Baumbestand und zwitschernden Sittichen gibt es in dem als Gartendenkmal ausgewiesenen Park auch regelmäßig wechselnde Skulpturen zu bestaunen. Die Kunstwerke wurden dabei mit Bedacht ausgewählt, mit Liebe zum Detail platziert und fügen sich demnach hervorragend in das satte Farbenspiel der Naturpracht ein.

Dellbrücker Heide im Norden Kölns. Bild: GettyImages.

Dellbrücker Heide

Ähnlich beschaulich geht es im nördlichen Teil Kölns zu. An der S-Bahn-Haltestelle Köln-Dellbrück – und somit ideal an den örtlichen Nahverkehr angebunden – begrüßt euch mit der Dellbrücker Heide ein knapp 40 Hektar großes Naturschutzgebiet. Hier erwartet euch eine einmalige Artenvielfalt von Heuschrecke und Falter bis zu seltenen Exemplaren wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke. Um diesen Wohlfühlort für Pflanzen und Tiere so gut wie möglich zu schützen, sind nur einige Teile des Areals für Besucher geöffnet. Achtet während eures Streifzuges daher unbedingt darauf, nur auf den ausgewiesenen Pfaden zu spazieren – andernfalls droht euch ein Bußgeld.

Ursprünglich entstand die Dellbrücker Heide nach Abzug der belgischen Besatzungstruppen 1993. Mittlerweile wurden die militärischen Anlagen und leer stehenden Gebäude nahezu vollständig zurückgebaut. Da ihr vereinzelt jedoch noch einige Relikte dieser Zeit findet, eignen sich die Grünflächen rund um den Heideteich nicht nur für verträumte Spaziergänge, sondern auch für spannende Entdeckungen. 

Abendstunden in Köln. Bild: GettyImages.

Carlswerk Gelände

Deutlich geschäftiger geht es auf dem Carlswerk Gelände zu. Bei Theaterfans gilt die Hauptspielstätte des Schauspiel Kölns bereits seit Jahren als heiße Adresse für unterhaltsame Abende mit Neuinterpretationen echter Klassiker, mitreißenden Stücken der Gegenwart oder schillernden Kulturfestivals. Doch auch abseits von Depot 1, Depot 2 und Grotte lohnt sich ein Abstecher auf die ehemalige Industriefläche einer alten Kabelfabrik.

Hier ist mittlerweile ein angesagtes Stadtquartier entstanden, das inmitten von urbanem Chic nicht nur Start-up-Unternehmen anzieht, sondern auch Großstädter, die nach getaner Arbeit bei kulinarischen Freuden und frischen Drinks den Tag in geselliger Runde ausklingen lassen möchten.

Der angeschlossene Carlsgarten fungiert dabei als wohltuende Oase Kölns, in der passionierte Hobbygärtner ihren grünen Daumen unter Beweis stellen können – eine herrliche Location, um einen ereignisreichen Aufenthalt in Köln gekonnt abzurunden.